Sozialpädagoge macht Kinder stark…

Sexuelle Gewalt

„Bist du ein Psychotherapeut?“ und „Komm ich in die Klapse?“ waren die fragenden Worte einiger Spielerinnen, als Sozialpädagoge Udo Bartsch aus Burladingen am Montagabend in der Trainingseinheit der D- und C-Jugend vorgestellt wurde, denn so genau wussten sie anfangs nicht, was das überhaupt alles soll. In der Trainingseinheit „Kinder stark machen“, welche die Verantwortlichen des TSV Birkenau im Rahmen der laufenden Aktionswoche organisiert hatten, wollten die Trainer durch den Sozialpädagogen die Kinder und Jugendlichen für die Themen „Sexualisierte Gewalt“ und „Missbrauch im Sport“ sensibilisieren.

Jedes 5. Mädchen und jeder 7. Junge wird laut einer Studie Opfer von Gewalt – sei es in der Familie, im Verein, in der Schule oder im Freundeskreis. Die Dunkelziffer liegt dabei wahrscheinlich noch bei viel mehr Kindern, die sich nicht trauen, darüber zu sprechen und sich der Gewalt nicht entgegensetzen können. „Wir möchten mit der Schulung für die Kinder und Jugendlichen erreichen, dass sie in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden!“, sagt der stellvertretende Abteilungsleiter der weiblichen Abteilung, Sven Holland. „Leider können wir damit Gewalt nicht verhindern – wir können aber den Kindern Tipps und Tricks mitgeben, mit denen sie sich aus solch einer Situation durch Freunde, Eltern oder auch einen Verein wie uns lösen können!“

Sexuelle Gewalt

Bei der Schulung wurden in Rollenspielen realitätsnah Angriffe eines Unbekannten nachgestellt und die Kinder von jetzt auf gleich mit der Situation eines Übergriffes konfrontiert – verständlich das alle damit komplett überfordert waren, wie es in der Realität der Fall wäre! Erschreckend: In einem ersten Durchgang wäre kein einziges Kind heil nach Hause gekommen – zu schüchtern die Reaktionen. Nach einigen klaren Worten und Ratschlägen von dem u.a. von der Polizei ausgebildeten Anti-Agressionstrainer Udo Bartsch hatten die Mädels zwar keine Muskeln hinzugewonnen, durch die sie sich besser wehren könnten, doch im Kopf war einiges passiert. So wurde dem Unbekannten im 2. Durchgang von Anfang an aus dem Weg gegangen, die „Straßenseite“ gewechselt oder laut schreiend davon gerannt – alles Punkte, die im Realitätsfall helfen können, einen Übergriff zu verhindern.

Das Wichtigste danach ist aber auch, über das Erlebte mit Freunden, Eltern, Lehrern oder Trainern zu sprechen, damit polizeilich nach dem Übeltäter gefahndet werden kann und nicht andere Kids in dieselbe Gefahr kommen, sich aber nicht so souverän aus der Situation befreien können.

Sexuelle Gewalt

Im Training wurde neben Ratschlägen in solch einem Fall aber auch das Selbstbewusstsein der Mädels gestärkt. Mit erhobenem Haupt und nicht zusammengekauertem Körper sollten die Mädels z.B. durch einen Schlauch von verbalen Angriffen laufen. Alle waren sich einig, die Körperhaltung kann dabei schon so einiges abwehren. Eigentlich ganz einfach, doch wie weitere Übungen danach zeigten, nicht in allen Situationen umsetzbar.

Sexuelle Gewalt

Umso wichtiger ist es, dass man möglichst immer in Gruppen unterwegs ist und sich gegenseitig hilft. Sollte man doch einmal alleine unterwegs sein, ist es besonders wichtig, im Notfall auf sich aufmerksam zu machen – das kann durch einfache Hilferufe geschehen oder durch Türklingeln und Scheibeneinwerfen – alles was hilft, um die Tat zu verhindern, ist recht! Auch die Zivilcourage spielt eine bedeutende Rolle: ist man Zeuge einer Tat, sollte man dringend als Kind Erwachsene auf die Problematik aufmerksam machen, welche die Polizei informieren (oder sogar selbst anrufen) oder in der Gruppe für Hilfe sorgen.

Die 2-stündige Einheit kann wahrscheinlich leider keine geplante Tat verhindern, doch vielleicht helfen die „Werkzeuge“, sich in der ein oder anderen Situation aus einer solchen zu befreien.

Ein Dank gilt Udo Bartsch aus Burladingen für die Unterstützung in den beiden Schulungen und den Kindern sowie Eltern für ihr Vertrauen!

(Fotos: Sven Holland)

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